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E-Zigaretten-Nutzer fühlen sich weniger abhängig als Tabakraucher und haben das Gefühl mehr Kontrolle über ihr Verhalten zu haben

Eine im Journal of Medical Internet Research veröffentlichte Studie hat Beiträge aus E-Zigaretten-Foren ausgewertet, in denen die Nutzer über Erfahrungen mit E-Zigaretten berichteten.

Während einige Nutzer über ein Verlangen nach E-Zigaretten berichteten, zeigte die Analyse jedoch auch, dass die Konsumenten kaum typische Kriterien für eine Tabakkonsumstörung zeigten. Viele Nutzer schilderten das Fehlen einer wahrgenommenen Abhängigkeit und hatten das Gefühl, die Kontrolle über ihr Verhalten zu haben, was bei dem früheren Konsum von Tabakzigaretten nicht der Fall war.


Unsere Analyse zeigte, dass die Nutzer keine typischen Kriterien für eine Tabakkonsumstörung hatten.

Szafran, Journal of Medical Internet Research 2023

Zusammenfassung

Hintergrund: Obwohl E-Zigaretten in der Regel Nikotin enthalten, ist ihr Suchtpotenzial noch nicht vollständig geklärt. Wir stellten die Hypothese auf, dass, wenn E-Zigaretten süchtig machen, die Benutzer typische Symptome der Sucht erfahren.

Zielsetzung: Ziel unserer Studie war es, zu untersuchen, ob und wie E-Zigarettenkonsumenten über Anzeichen von Sucht berichten.

Methoden: Wir identifizierten 3 große deutschsprachige E-Zigaretten-Online-Foren über eine systematische Google-Suche. Basierend auf einem netnographischen Ansatz untersuchten wir mittels deduktiver Inhaltsanalyse relevante Beiträge in diesen Foren. Die Netnographie hat den Vorteil, dass sie die Verzerrung durch soziale Erwünschtheit einschränkt, die in der Face-to-Face-Forschung, z. B. in Fokusgruppen, vorherrscht. Die Daten wurden nach den Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5) für Tabakkonsumstörungen codiert, die für E-Zigaretten angepasst wurden. Die DSM-5-Kriterien wurden verwendet, um ein breites Spektrum an möglichen Suchterfahrungen abzubilden.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 5337 Beiträge in 3 Foren gesichtet, und 451 Beiträge mit relevanten Informationen wurden in die Analyse einbezogen. Die Nutzer berichteten über Erfahrungen, die mit den DSM-5-Kriterien übereinstimmen, wie z. B. das Verlangen nach E-Zigaretten, übermäßiger Zeitaufwand für das Dampfen und gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit dem E-Zigarettenkonsum. Unsere Analyse zeigte jedoch auch, dass die Nutzer über das Fehlen typischer Kriterien für eine Tabakkonsumstörung berichteten, wie z. B. über erfolgreiche Versuche, die Nikotindosis zu reduzieren. Bei den meisten Themen wurde das Fehlen dieser Kriterien häufiger angegeben als ihr Vorhandensein. Das Fehlen einer wahrgenommenen Abhängigkeit wurde meist im Gegensatz zum früheren Tabakkonsum angegeben.

Schlussfolgerungen: Dies ist die erste Studie, die einen netzgrafischen Ansatz verwendet, um ungefilterte Selbstberichte über Erfahrungen mit E-Zigarettenabhängigkeit durch Nutzer in Online-Foren zu untersuchen. Wie vermutet, berichteten einige, aber nicht alle Nutzer über subjektive Erfahrungen, die den Kriterien einer Tabakkonsumstörung nach DSM-5 entsprechen. Dennoch deuteten die subjektiven Berichte auch darauf hin, dass viele E-Zigarettenkonsumenten das Gefühl hatten, die Kontrolle über ihr Verhalten zu haben, insbesondere im Gegensatz zu ihrem früheren Konsum von Tabakzigaretten. Die Feststellung, dass einige E-Zigarettenkonsumenten subjektiv eine Abhängigkeit empfinden, unterstreicht die Notwendigkeit wirksamer Entwöhnungsprogramme zur Unterstützung von Benutzern, die ihren E-Zigarettenkonsum als belastend empfinden. Diese Forschung kann zur Verfeinerung von Instrumenten zur Bewertung der E-Zigarettenabhängigkeit und zur Anleitung von Entwöhnungsprogrammen beitragen.

https://doi.org/10.2196/41669

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36607713/

Szafran D, Görig T, Vollstädt-Klein S, et al. Addictive Potential of e-Cigarettes as Reported in e-Cigarette Online Forums: Netnographic Analysis of Subjective Experiences. J Med Internet Res. 2023;25:e41669. Published 2023 Jan 6. doi:10.2196/41669