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Eine US-amerikanische Studie hat festgestellt, dass Raucher mit Depressionen und Angststörungen eine wesentlich stärkere Abhängigkeit zeigen. Obwohl diese hoch motiviert sind mit dem Rauchen aufzuhören und eher bereit sind einen Rauchstopp zu unternehmen, haben sie dabei einen geringeren Erfolg. E-Zigaretten liefern jedoch eine zufriedenstellende Nikotinabgabe, weshalb diese dabei behilflich sein können den Konsum von Tabakzigaretten zu reduzieren oder auf andere Produkte zu wechseln.


Die Teilnehmer hatten unterschiedliche Ansichten über die Schäden im Zusammenhang mit nikotinarmen Zigaretten, E-Zigaretten und ihrer gewohnten Marke, was darauf hindeutet, dass Botschaften zur Korrektur falscher Wahrnehmungen, zur Verfügbarkeit alternativer Nikotinquellen und zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit dieser neuen Produkte notwendig sind.

DeAtley, Drug and Alcohol Dependence 2023

Zusammenfassung

Hintergrund: Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) prüft derzeit einen Standard für nikotinarme Produkte. Diese Norm könnte effektiver sein, wenn gleichzeitig alternative, nicht verbrannte Nikotinquellen zur Verfügung stehen. Diese qualitative Studie untersuchte die Lebenserfahrungen von Menschen mit Depressionen und Angststörungen, die im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie Zigaretten mit sehr niedrigem Nikotingehalt (VLNC) mit oder ohne E-Zigaretten verwendeten.

Methoden: Wir führten halbstrukturierte qualitative Interviews mit Teilnehmern (n = 20), die eine 16-wöchige verblindete Studie mit VLNC-Zigaretten mit oder ohne elektronische Zigaretten durchführten. In den Interviews wurden 1) die Erfahrungen mit diesen Produkten, 2) die sozialen und umweltbedingten Umstände des Konsums und 3) die relative Risikowahrnehmung untersucht. Die Interviews wurden transkribiert und mittels einer hybriden induktiven und deduktiven thematischen Analyse ausgewertet.

Ergebnisse: Der gleichzeitige Zugang zu E-Zigaretten trug dazu bei, den Übergang von Zigaretten herkömmlicher Marken zu VLNC-Zigaretten zu erleichtern. Einige Teilnehmer hatten die falsche Vorstellung, dass VLNC-Zigaretten das Krebsrisiko verringern könnten, während andere dies nicht glaubten. Die Teilnehmer äußerten sich skeptisch über die Sicherheit von E-Zigaretten und die Echtheit der VLNC-Zigaretten. In einigen Fällen beeinflussten Rauchverbote den Gebrauch von E-Zigaretten, aber die Produktpräferenz war der wichtigste Faktor, der den Gebrauch beeinflusste. Die Teilnehmer stellten keine Auswirkungen auf psychiatrische Symptome fest.

Schlussfolgerungen: Sollte eine Politik der Nikotinreduzierung umgesetzt werden, während gleichzeitig E-Zigaretten auf dem Markt erhältlich sind, könnten maßgeschneiderte Botschaften für Menschen mit Angst- und Depressionsstörungen notwendig sein, um die Menschen über die Verfügbarkeit alternativer Nikotinquellen, wie E-Zigaretten, sowie über das relative Risiko von VLNC-Zigaretten und E-Zigaretten aufzuklären.

https://doi.org/10.1016/j.drugalcdep.2023.109767

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36638679/

DeAtley T, Harrison A, Cassidy R, Kuo C, Higgins ST, Tidey JW. Subjective experiences, contexts, and risk perceptions of very low nicotine content cigarettes and electronic cigarettes among people with depression and anxiety disorders who smoke. Drug Alcohol Depend. 2023;244:109767. doi:10.1016/j.drugalcdep.2023.109767

https://doi.org/10.1038/s41591-022-01808-0

Eine randomisierte kontrollierte Studie der Queen Mary University of London zeigt, dass E-Zigaretten für schwangere Raucherinnen, die versuchen mit dem Tabakrauchen aufzuhören, genauso sicher sind wie Nikotinpflaster. Dabei hat sich zudem gezeigt, dass E-Zigaretten ein wesentlich effektiveres Werkzeug sein könnten. Mit der E-Zigarette wurden etwa doppelt so viele Raucherinnen abstinent wie mit herkömmlichen Methoden.

https://doi.org/10.1038/s41591-022-01808-0

Akualisierung der Studie: https://doi.org/10.1038/s41591-022-02099-1

Hajek, P., Przulj, D., Pesola, F. et al. Electronic cigarettes versus nicotine patches for smoking cessation in pregnancy: a randomized controlled trial. Nat Med 28, 958–964 (2022). https://doi.org/10.1038/s41591-022-01808-0

https://doi.org/10.3390/ijerph18147713

US-amerikanische Wissenschaftler haben Ergebnisse eines randomisierten Umfrageexperiments zu anhaltende Fehlwahrnehmungen über Nikotin unter US-Ärzten im International Journal of Environmental Research and Public Health veröffentlicht.

Die Umfrage hat gezeigt, dass Fehleinschätzungen über die direkten gesundheitlichen Auswirkungen von Nikotin weit verbreitet sind. Von den befragten Ärzten gehen 85 % davon aus, dass Nikotin direkt zur Entstehung von Krebs beiträgt. Eine ähnliche große Anzahl der Ärzte glaubt zudem, dass Nikotin direkt COPD verursachen kann. 

Die Autoren merken an, dass es viel zu häufig Fehleinschätzungen über die direkten gesundheitlichen Auswirkungen von Nikotin gibt. Die Wahrnehmungen über Nikotin variierten je nach Geschlecht und Fachgebiet. Sie fordern, dass die Aufklärung der Ärzte über Tabak und Nikotin Vorrang haben sollte, um die Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten über Tabakkonsum und Tabakentwöhnung zu optimieren.

https://doi.org/10.3390/ijerph18147713

Bover Manderski, M.T.; Steinberg, M.B.; Wackowski, O.A.; Singh, B.; Young, W.J.; Delnevo, C.D. Persistent Misperceptions about Nicotine among US Physicians: Results from a Randomized Survey Experiment. Int. J. Environ. Res. Public Health 2021, 18, 7713. https://doi.org/10.3390/ijerph18147713

Eine Studie, die im Journal scientific reports veröffentlicht wurde, hat die Nikotinabgabe und die Verringerung des "Cravings" - dem Drang zu Konsumieren - bei europäischen JUUL E-Zigaretten untersucht. Dabei hat man berücksichtigt, dass gegenüber den ersten europäischen Modellen bei der zweiten Version der europäischen JUUL E-Zigarette ein anderes Dochtmaterial verwendet wurde. Dies hat für eine erhöhte Aerosolbildung und damit zu einer größeren Menge Nikotin pro Zug gesorgt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Nikotinabgabe und die Verringerung des "Cravings" bei beiden europäischen JUUL-Varianten im Vergleich zu Tabakzigaretten geringer war. Laut der Autoren deutet dies auf ein geringeres Suchtpotenzial hin.

https://doi.org/10.1038/s41598-021-91593-6

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34103661/

Mallock N, Rabenstein A, Gernun S, et al. Nicotine delivery and relief of craving after consumption of European JUUL e-cigarettes prior and after pod modification. Sci Rep. 2021;11(1):12078. Published 2021 Jun 8. doi:10.1038/s41598-021-91593-6

Die Autoren einer Studie gingen davon aus, dass risikoreduzierte Nikotinprodukte das Rauchen mit größerer Wahrscheinlichkeit ersetzen werden, wenn sie in Bezug auf die Nikotinabgabe und die Zufriedenheit der Nutzer mit Zigaretten vergleichbar sind.

Um diese These zu stützen, untersuchten die Autoren die Nikotinabgabe und die Nutzerbewertungen von Konsumenten der IQOS, der JUUL (US-Version mit 59 mg/ml Nikotin), nachfüllbaren E-Zigaretten (20 mg/ml Nikotin) und verglichen die Ergebnisse mit Tabakzigaretten.

Laut der Autoren lieferte die IQOS weniger Nikotin als die JUUL und die verwendeten E-Zigaretten, zudem konnte das Craving (der Drang zu Konsumieren) nicht so stark reduziert werden. Die IQOS konnte das Nikotin zwar schneller liefern als die beiden anderen Produkte, wurde von den Nutzern jedoch weniger positiv bewertet.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit bei der Raucherentwöhnung möglicherweise nicht ausschließlich davon abhängt, inwieweit die Nikotinabgabe eines Produkts der von Zigaretten entspricht. Andere Produkteigenschaften, wie Geschmack und Benutzerfreundlichkeit, spielen wahrscheinlich auch eine Rolle.

https://doi.org/10.1093/ntr/ntab094

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33983450/

Phillips-Waller A, Przulj D, Pesola F, Smith KM, Hajek P. Nicotine Delivery and User Ratings of IQOS Heated Tobacco System Compared With Cigarettes, Juul, and Refillable E-Cigarettes. Nicotine Tob Res. 2021;23(11):1889-1894. doi:10.1093/ntr/ntab094

Eine Studie aus dem International Journal of Indoor Environment and Health hat die Auswirkungen durch den Konsum von E-Zigaretten auf die Raumluft betrachtet. Dazu wurde während eines Zeitraums von 30 Minuten in einem geschlossenen Raum und in einem Auto E-Zigaretten verwendet. Dabei wurden die Expositonen gemessen. Die Konzentrationen des in der Luft befindlichen Nikotins und aller Biomarker lagen in beiden Settings unter der Bestimmungsgrenze.

In beiden Umgebungen traten bei den Umstehenden jedoch einige kurzfristige Reizsymptome auf, die sich in Form von trockenem Hals, Nase, Augen und Schleim äußerten.

https://doi.org/10.1111/ina.12841

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33905602/

Amalia B, Fu M, Tigova O, et al. Environmental and individual exposure to secondhand aerosol of electronic cigarettes in confined spaces: Results from the TackSHS Project. Indoor Air. 2021;31(5):1601-1613. doi:10.1111/ina.12841

Eine Online-Aufklärungskampagne zur JUUL E-Zigarette mit dem Ziel potenzielle sowie aktuelle Nutzern vor einem Risiko des Konsums zu warnen, hatte besonders unter Nicht-Konsumenten eine sehr wirksame Abschreckung zur Folge. Unter den Konsumenten wurde die Bereitschaft den Gebrauch der JUUL einzustellen nur minimal verändert.

Konsumenten der JUUL berichten über eine geringere wahrgenommene Schädigung anderer und eine geringere Absicht, regelmäßig zu E-Zigaretten konsumieren.

https://doi.org/10.1016/j.addbeh.2021.106942

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33866224/

Leavens ELS, Carpenter MJ, Smith TT, Nollen NL. Exploratory evaluation of online brief education for JUUL pod-mod use and prevention. Addict Behav. 2021;119:106942. doi:10.1016/j.addbeh.2021.106942

Eine offene, randomisierte, kontrollierte Studie hat die Nikotinaufnahme und die subjektiven Auswirkungen von JUUL E-Zigaretten in drei Nikotinkonzentrationen im Vergleich zu Tabakzigaretten bei erwachsenen Rauchern untersucht.

Bei allen E-Zigaretten Varianten war die Nikotinaufnahme signifikant niedriger als bei einer Tabakzigarette, wobei ein weiterer signifikanter Unterschied zwischen der JUUL E-Zigarette mit 59 mg/ml Nikotin und den beiden JUUL E-Zigaretten mit 18 bzw. 9 mg/ml Nikotin bestand.

Beim subjektiven Empfinden der Linderung des Verlangens nach einer Zigarette unterschied sich die JUUL mit 59 mg/ml nicht signifikant von Tabakzigaretten. Die beiden Modelle mit 18 bzw. 9 mg/ml wurden jedoch signifikant niedriger bewertet.

Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung, dass die Nikotinexposition und die subjektive Erleichterung in direktem Zusammenhang mit der Nikotinkonzentration der E-Zigaretten stand. Höhere Nikotinkonzentrationen führten zu signifikant höheren Plasmanikotinwerten und zur Reduzierung des Verlangens. Man geht daher davon aus, dass stärker abhängige Raucher möglicherweise eine höhere Nikotinabgabe benötigen, um erfolgreich von Zigaretten wegzukommen.

https://doi.org/10.1093/ntr/ntab001

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33486526/

Goldenson NI, Fearon IM, Buchhalter AR, Henningfield JE. An Open-Label, Randomized, Controlled, Crossover Study to Assess Nicotine Pharmacokinetics and Subjective Effects of the JUUL System with Three Nicotine Concentrations Relative to Combustible Cigarettes in Adult Smokers. Nicotine Tob Res. 2021;23(6):947-955. doi:10.1093/ntr/ntab001

In einer randomisierten Studie wurden die akuten Auswirkungen von E-Zigaretten auf den Blutdruck und das Nervensystem bei jungen Nichtrauchern untersucht.

Bei den Teilnehmer hat sich gezeigt, dass die Verwendung einer JUUL E-Zigarette mit 59 mg/ml Nikotin zu einem kurzzeitigen Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks, während ein Placebo ohne Nikotin diese Effekte nicht hervorrief. Während in Tabakzigaretten über 7.000 chemische Stoffe enthalten sind, ist bei E-Zigaretten der einzige bekannte Wirkstoff der auf das vegetativen Nervensystem wirkt, das Nikotin. Daher schreibt man diese Auswirkungen dem enthaltenen Nikotin zu.

https://doi.org/10.1152/ajpheart.00448.2020

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33164580/

Gonzalez JE, Cooke WH. Acute effects of electronic cigarettes on arterial pressure and peripheral sympathetic activity in young nonsmokers. Am J Physiol Heart Circ Physiol. 2021;320(1):H248-H255. doi:10.1152/ajpheart.00448.2020

Eine Studie aus dem Journal Psychopharmacology hat die Nikotinabgabe bei der europäische Version der Juul E-Zigarette (20 mg/ml) im Vergleich zur amerikanischen Juul US (59 mg/ml), zur nachfüllbaren E-Zigaretten und zur Tabakzigarette untersucht. Dazu wurden den Teilnehmer zu Beginn der Studie sowie 2, 4, 6, 8, 10 und 30 Minuten nach Beginn des Konsums Blutproben entnommen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Juul (EU-Version) weniger Nikotin lieferte als Tabakzigaretten und als die JUUL (US-Version), sie lieferte zudem weniger Nikotin als nachfüllbare E-Zigaretten.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die europäische Version der Juul viel weniger Nikotin an die Nutzer abgibt, als dies bei der amerikanischen Juul oder bei nachfüllbaren E-Zigaretten der Fall ist. Sie hat aufgrund der geringeren Nikotinabgabe möglicherweise ein geringeres Potenzial, Rauchern bei der Raucherentwöhnung zu helfen.

https://doi.org/10.1007/s00213-020-05734-2

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33270145/

Phillips-Waller A, Przulj D, Smith KM, Pesola F, Hajek P. Nicotine delivery and user reactions to Juul EU (20 mg/ml) compared with Juul US (59 mg/ml), cigarettes and other e-cigarette products. Psychopharmacology (Berl). 2021;238(3):825-831. doi:10.1007/s00213-020-05734-2